Es ist Frühling, na ja, auch wenn es nicht wirklich so wirkt…
Im Frühling fährt Carmelo alljährlich durch die Lande. Wer Carmelo ist? Carmelo ist der „Hauptschneider“ des italienischen Modehauses Armani. Er fährt in die Filialen in der Schweiz, Deutschland und Österreich und trifft dort Menschen, die Interesse an einem massgeschneidertem Anzug haben. So auch auf der Bahnhofstrasse in Zürich (vergleichbar mit der Königsallee in Düsseldorf).
Man betritt die Räumlichkeiten und als erstes wird man mit Namen begrüsst. Gefragt ob man etwas trinken möchte? „Stilles Wasser wäre schön“. „Darf es auch ein Espresso sein?“ „Sehr gerne, danke.“ Man fühlt sich wohl. Persönliche Ansprache, auf die Wünsche eingehen, anbieten was sonst noch passen könnte. Dann heisst es warten, den ein Kunde wird noch vermessen. Also wird man gefragt, ob man mir etwas Neues präsentieren darf. Gerne antworte ich. Lasse mich rumführen, lausche dabei wie der aktuelle Kunde mit gebrochenem italienisch Carmelo antwortet. Zwei Servicekräfte, beide geborene Italiener übersetzten auch gerne, der Rest wird in englisch / deutsch geklärt.
Dann komme ich dran. „Ciao Tim, my name is Carmelo.“ Wieder Ansprache mit Namen. Ich werde vermessen, gefragt was ich mag oder ob ich schon eine bestimmte Vorstellung habe. Ich sage nein, ich bin offen für Vorschläge. Man zeigt mit verschiedene Details, klärt die berühmte Knopffrage 1? 2? Oder doch 3? Sie sind jung (ich lache), 1 oder 2 empfiehlt man mir. Ich lasse mir zeigen wie das Sakko geschnitten wäre in den verschiedenen Knopfvarianten. Ok, nur einer. Dann geht es weiter, Stoffe, Farben, Kombinationen… Alles immer sehr persönlich, man erklärt mir welcher Stoff welche Eigenschaften hat, welcher wie verarbeitet wurde. Nebenbei stellt man fest ein Arm von mir ist länger als der andere. Kein Problem wird korrigiert.
Nach ca. 45 Minuten wurde alles erledigt und ich habe etwas Massgeschneidertes für mich ausgewählt. Zwar wieder 8 Wochen Wartezeit, aber ich freue mich schon.
Was hat das nun mit diesem Blog zu tun? Ganz einfach. Webseiten sind virtuelle Repräsentanzen von Unternehmen. Doch werden sie oft nicht annähernd so behandelt.
Gerade die Seiten die nicht von US-Unternehmen inkl. Ihrer Navigation kopiert worden sind (die soll es tatsächlich noch geben), ist es manchmal etwas holprig. Warum muss ich mich anmelden in einem Shop und Daten hinterlassen die nichts mit meiner Bestellung zu tun haben? Klar, das Unternehmen will meine Daten, aber was habe ich davon? Nichts, was ich direkt sehe. Also kaufe ich woanders; rein, kaufen, raus. Wenn ich wieder kommen will, dann soll man es machen wie bei Carmelo, dann komme ich gerne wieder. Es muss dann auch nicht immer das günstigste sein, aber ich fühle mich wohl, es war ein schönes Erlebnis.
Auch das ist der Knackpunkt bei vielen Webseiten, wo ist das Erlebnis? Werde ich irgendwie emotional angesprochen? Geht man auf meine(!) Bedürfnisse ein?
Das ist selten so, noch seltener ist es, dass man einen fähigen GUI-Designer einsetzt. Gerade diese Person, der Architekt der virtuellen Repräsentanz sollte überdurchschnittlich talentiert sein. Es gibt viele Beispiele von Webseiten, die technisch nicht gut sind, aber sie funktionieren. Ganz einfach weil die anderen Punkte stimmen, weil der Nutzen, das „Gefühl“ stimmt oder die Navigation intuitiv ist. Dann komme ich auch gerne wieder. Noch bevor man also in Werbung, virale Strategien oder sonst etwas zur Usergewinnung investiert, sollte man sein Geschäft optimal gestalten. Da ist bei vielen sehr grosses Potential vorhanden. Gerade Startups vernachlässigen das sehr oft und es muss fast immer massiv nachgebessert werden.
Das kann durchaus nicht nur auf Startups präsentieren, ein aktuelles Negativbeispiel ist Boss bzw. Boss Selection. Da gibt es hier bei FTD einen schönen Artikel, der wirklich neugierig macht, der Exklusivität verspricht, schöne Stoffe lobt etc. Aber was passiert, wenn man die Boss Webseite besucht? Eben, da sehe ich ein Bild eines Anzugs nachdem ich mich durch die kaelige Navigation gekämpft habe, aber wo welcher Stoff eingesetzt wird und bei welchem Anzug diese tollen Stoff verarbeitet wurden…? Keine Antwort. Da klickt man ins E-Mag, keine Zusatzinformationen die mich weiter bringen. So sollte man es nicht machen und man verschenkt viele Kunden.
Tim,
“Dann heisst es warten, den ein Kunde wird noch vermessen.”
Ich will dich ja nicht ärgern: Aber du bist entweder: Realschüler - SEO und sehr komisch,
oder halt ganz normaler Investor / Gründer etc. mit Legasthenie. Denn selbst besoffen und unter Koks könnte man nicht solche Fehler machen wie DEN statt DENN…
?! What’s your point?
Alles Absicht, das haben mich schon mehrere gefragt. Und das ist nicht so einfach wie es aussieht “dass” und “das” durcheinander zu würfel, Wörter wegzulassen, Endungsbuchstaben auszulasse, die Kommasetzung mit Füssen zu treten etc.
Hat dafür zufällig jemand ein Plugin? (meine ich ernsthaft).
Ah, und keine Macht den Drogen!
Keine macht denn Doofe!
Tat´s da poingt!
Ich sehe Du kannst das noch besser als ich. Verrate mir Deine Technik
Wie Recht du hast. Mit den Webpräsenzen mein ich. Auf 90% der Seiten fühlt man sich nicht wohl. Wann werden sie es endlich kapieren…
@Tim
ganz einfach: Auf twtr mal so 30min die Texte aus der Dtschen Grndrszenne verflgn nd schn gehht dass gnz enfahc
Tip: re fondr, strbks,…
@Matias
Also was mich wirklich überrascht hat, was das Beispiel von Boss. Der Artikel auf FTD ist wirklich die perfekte Vorlage. Da wird wunderbar ein Image, ja eine Markenwelt, auf schön subtile und nicht aufdringliche Weise aufgebaut. Man wird neugierig. Das ist das Beste was den Leute bei Boss passieren kann. Doch dann… Diese neugierig gewordenen Person dann in Kunden zu konvertieren sollte jetzt ein Klacks sein: Bild mit Anzug, was zu den aussergewöhnlichen Stoffe, vielleicht noch ein bisschen “Geschichte” des Stoffes dazu, so wie im Artikel. Super, dann hat man den Kunden und er geht in den nächsten Laden, wenn es gefällt. Aber so? Nichts… Und das ist soooo ein perfekte Vorlage… Und es sind ja nicht gerade günstige Kleidungsstücke und man kann nicht gerade sagen, dass Boss wenig für Marketing in die Hand nimmt. Deswegen war ich schon erstaunt.
Bei vielen Webseiten ist das aber leider auch so. Darum mein Rat immer(!) einen fähigen GUI Designer miteinbeziehen (wenn man nicht gerade 1:1 irgendwo her kopiert
) Der Designer kostet zwar Geld, aber die 10.000,00 Euro lohnen sich meiner Meinung nach immer.
@John


Danke für den grossartigen Lacher am Morgen
jo lohnen tut sich das Geld für einen anständigen Designer immer. Nur einsehen möchten das viele - gerade wie du sagst Startups - nicht. Hauptsache kaum Geld ausgeben die Idee könnte ja floppen. Aber wenn man nen Laden in der Stadt aufmacht muss man doch auch Einrichtung kaufen, Werbung schalten etc.
Gerade beim Shop ist Usability extrem wichtig. Denn da möchte man ja direkt verkaufen - nicht nur eine Marke oder ein Image bilden. In einem “offline”-Laden würde man ja auch nicht alles quer in den Raum stellen dass die Kunden nicht mehr an die Ware kommen. Aber auch das kannst du einigen Kunden zig mal erklären
Zum Thema Mehrwert: Es gibt schon Beispiele von Shops die mit den eingegebenen Daten auch wirklich etwas anfangen und diese nutzen um besser auf dich einzugehen. Amazon ist da ein gutes Beispiel. Die nutzen die Daten wirklich für Mehrwert. Solche Shopsoftware gibt es auch für den Mittelstand aber viele deutsche Handelsunternehmen denken halt noch in XTCommerce & Co. Dimensionen.
Zum Glück gibt es auch einige die da schon weiterdenken
Hallo Roland,
welche Shopsoftware würdest Du denn empfehlen, das tät mich mal wirklich interessieren.
Gruß
Daniel
Ich finde die Software und das Konzept vom http://www.natur.com Shop klasse!
@Daniel
Wir setzten für 2 Kunden (evtl. ein dritter) gerade Shops mit Websphere Commerce von IBM um. Beides mittelständische Kunden die die Chancen des eCommerce erkannt haben. Webphere Technologie steckt z.B. in eBay, sOliver, Audi, Ikea usw. Aber das sind natürlich große Unternehmen. Durch neue Lizenzen geht das auch wie gesagt bei mittelständischen Unternehmen.
Wenns ne relativ kleine Lösung sein soll wäre auch das neue Magento Commerce zu empfehlen. Es ist OpenSource und sehr leicht anzupassen. Hat auch schon gute Funktionen und wird wohl bald den Dauerbrenner XTCommerce ersetzen.
XTCommerce ist auch gut gewesen bisher aber der Support ist … und sonderlich viele Neuentwicklungen gibt es da schon länger nicht mehr. Also Innovation = 0. Auf neue Versionen wartet man vergeblich. Aber ist halt extrem günstig für den Einstieg.
Kommt eben auch immer drauf an was man erwartet vom eCommerce. Dazu kommen noch viele Fragen wie WaWi-Anbindung, Ausfall-Sicherheit, Hersteller-Support, Marketingstrategie, Logistik etc.
Bei Interesse kannst du dich gern an mich wenden.
Möchte ja nich dass das hier zu nem Werbe-Post ausartet bzw. mir das noch jemand vorwirft.
@Roland
Ich sehe da keine Werbung drin, Du legst es ja facettenreich dar und wenn es zusätzlich Deine Kompetenz unterstreicht, warum nicht