Ich hätte nie gedacht, daß ich mir mal einen Blog zulegen werde… Warum ich schreibe? Ganz einfach, weil es mich langsam annervt wie einige Medien nahezu ungeändert Pressemeldungen von Startups übernehmen und es als „journalistischen Artikel“ darstellen, wie sie sich teilweise von ihren Investoren beeinflussen lassen und vor allem wie gnadenlos (nicht immer klug) Startups mit geschöhnten Zahlen tricksen, eigene Kommentare schreiben und sich (meinst dümmlich) selbst in den Himmel loben, sich selbst mit Werbe-Wikipedia-Einträgen adeln wollen und anderes.
Alles das hat mich in der Summe dazu gebracht, zu sagen „ES REICHT!“. Hier möchte ich die andere Seite zeigen. Die Seite jenseits des Sonnenscheins, jenseits von „wir sind alle so toll“ und „wir revolutionieren die Welt mit innovativen Ideen“. Ich will zeigen, wie schamlos geklaut wird, wie startegisch versucht wird Medien zu manipulieren und das diese auch noch mitmachen.
Zudem werde ich versuchen aufzuzeigen was sich hinter den geschönten Fassaden der Startups verbirgt und einiges an Insiderwissen einbringen. Zudem freue ich mich, wenn ihr mit mir Euer Wissen teilt. Ich habe diese Plattform gewählt, um das sagen zu können was ich denke und um das aufzuzeigen, was sich im Schatten verbirgt. Beileibe ist das jedoch kein Geheimnis, sondern vielen (in der Szene) bekannt. Nur ist diese Szene sehr lichtscheu. Es wird Zeit den Suchscheinwerfer anzuschalten und Einige(s) ins Licht zu zerren.
Es geht mir natürlich nicht darum alles schlecht zu machen oder in den Dreck zu ziehen, auch wenn gerade die hier Ertappten das vielleicht etwas anders sehen.Es geht darum zu zeigen, was man NICHT tun sollte und das man (egal ob als Gründer, Investment Manager oder Business Angel) eben nicht alles glauben, sondern sich einen kritischen Blick bewahren sollte.
Wer ich bin?
Mein Name ist Tim. Ich war Gründer & bin Investor.
Blasenblogs?
In meinem Alltag ärgere ich mich über dumme Ratschläge von Investoren, hohle Vorschläge von noch hohleren Berater-Fuzzis und natürlich lustige Marketing-Girlies, die nicht machen, was man ihnen sagt, obwohl sie „… ja drei Jahre BWL studiert“ h…
Deutsche Investoren verhalten sich oft wie die Lemminge: Sie rennen den Trends aus den USA nach. Und das wechselt ständig…
Als Gründer sollte man deshalb immer darauf achten, dass man seine Ziele und sein Geschäft verfolgt.
Ich habe es erlebt, dass 1999 ein Freund sich nicht um den Verkauf seiner Webagentur kümmern sollte/durfte, obwohl er 2 Mio DM geboten bekam. Begründung von den Investoren: „Die Zeit, die du für den Verkauf aufwänden musst, steht in keinem Verhältnis zu der Wertsteigerung deines aktuellen Startups“. Nach 12 Monaten war dieses Startup pleite…
@istdochegal
Da gebe ich Dir Recht. Deutsche Investoren sind nicht gerade für Ihre strategischen Klugheit berühmt. Deswegen sollte man sich immer genau anschauen wer da in das eigenen Startup investiert. Geld ist nicht gleich Geld!
Was Deinem Freund zugestossen ist, ist mehr als traurig. Ich weiß nicht wie die Gesllschafterverhältnisse waren oder der Vertrag geregelt war. Für so einen Fall, sollte man im Vertrag vorarbeiten (wenn man in der Position ist es zu tun).
Zum Investor: Entweder er war nicht sehr fachmännisch, hat tatsächlich großes Potential gesehen, oder war einfach nur boshaft. Was davon kann ich leider nicht beurteilen. Hat der Investor seine Entscheidung irgendwie begründet? Hat Dein Freund rausgefunden, wie er es hätte verhindern können oder was er hätte anders machen können / sollen?
Die Position des Gründers ist ja das Vertrackte. Der Gründer lechzt nach Kapital, um seine Ziele erreichen zu können. Und das sind selten die Ziele des Investors.
Beispiel: Nach dem StudiVZ-Deal war ein Profil 85,- € wert. Die Montarisierung war nicht wichtig, sondern die Anzahl der Profile. Wie werthaltig ein Profil tatsächlich ist, ist dem Investor doch scheißegal, wenn er einen Käufer findet, der ihm seine Sicht der Dinge abnimmt und diesen Preis bezahlt. Und darauf schielt der Investor. Der will doch gar nicht wissen, wie schwer es ist, die Profile zu vermarkten. Er sieht den Käufermarkt für bestimmte Zielgruppen. Solange der Gründer auch verkaufen kann, ist das OK. Soll der Käufer sich mit der komplizierten Monetarisierung rumschlagen…
Nur: Wenn kein Käufermarkt mehr da ist, was dann? Kann der Gründer sein Business noch nachhaltig gestalten? Oder ist es dann nicht schon zu spät, wenn der Investor das Mitgliederwachstum als Credo rausgegeben hat?
Siehe verwandt.de: Da gibt es allem Anschein nach 8 Mio. Euro Risikokapital. Das entspricht wohl einer Unternehmensbewertung von 20-25 Mio. Euro – bei Null Umsätzen!!!
Das Unternehmen rast mit Schallgeschwindigkeit auf die Wand zu. Nur, wenn verkauft werden kann, bis das Geld zur Neige geht, ist für Investor und Gründer ein positives Ende möglich. Oder willst du mir erzählen, dass man die vielen Mitglieder anders zu Geld machen kann als über einen Verkauf an einen Deppen, der meist in einem Verlagshaus sitzt und Schiss hat, seine Zielgruppen nicht mehr zu erreichen?
Sag mir doch mal, was ein Studiprofil bei StudiVZ tatsächlich wert ist, wenn du es vermarkten müsstest?
Zu meinem Freund: Er hat die Sichtweise des Investors damals nachvollziehen können/müssen, weil der „ganze Markt“ es so gesehen hat. Außerdem wollte er den Investor nicht verärgern. Das Startup war auch klar auf den Exit „Verkauf“ bzw. „Börse“ ausgerichtet. Letztlich war das ein Lemming-Effekt – für Gründer und Investor.
Nur im Nachhinein war es natürlich schon sehr ärgerlich für meinen Freund.
Zum Investor: Gehört(e) zur Creme de la Creme der Investorengilde und hat es ja nicht böse gemeint, sondern damals wirklich so gesehen. Es ist dann alles wie ein Kartenhaus zusammengekracht. Mehrere Finanzierungsrunden, Unternehmensbewertung war jenseits der 30 Mio. und dann haben die Investoren einfach den Stecker gezogen und dem Insolvenzverwalter das Kehrblech in die Hand gedrückt.
ie Position des Gründers ist ja das Vertrackte. Der Gründer lechzt nach Kapital, um seine Ziele erreichen zu können. Und das sind selten die Ziele des Investors.
Da kann ich Dir nur Recht geben. Gerade in der jetzigen Phase reitet viele Investoren die Idee „Recihweite aufbauen und dann verkaufen, bevor einer fragt, wie man Geld damit verdienen kann“.
Als Gründer hast Du nur zwei Möglichkeiten dem zu entgehen:
a) Du holst möglichst spät einen Investor ins Boot. Je später desto besser (für Dich), da Deine Position stärker wird.
b) Versuche den Einfluß des Investors vertraglich zu begrenzen (soweit Du in dieser Position bist).
Auch als Gründer sollte man immer daran denken, daß Investoren NICHT Deine Freunde sind. Sie wollen Geld mit Dir verdienen, deswegen sind sie nett zu Dir (solange Sie das Potential/Marktumfeld) bei Dir sehen. Das kann sich schlagartig ändern!
Was verwandt.de angeht sehe ich das genauso. Ich denke aber auch, daß die Gründer das auch so sehen. Verkaufen so schnell es geht. Hier sehe ich aber nicht das Verlagshaus als Käufer, sondern das amerikanische Vorbild. Eine rentable Wertschöpfungskette gibt es dort meiner Meinung nach nicht.
Ein StudiVZ-Profil ist, wenn ich strategische Komponenten außen vor lasse, meiner Meinung nach nicht mehr als 5 Euro wert, da es kein gutes Monetarisierungsmodell gibt. Man müßte selbst das Management austauschen, die haben sich zu sehr auf’s „prüfen“, als auf’s „machen“ eingeschossen.
Was Deinen Freund betrifft, der Gründer hätte keine Rücksicht nehmen müssen und sollen! Ein Investor macht es auch nicht. Es gibt nur wenige, die das private Schicksal eines Gründers / Gründerteams in Ihre Entscheidungen miteinbeziehen, und selbst das auch nur biszu einem gewissen Grad.
Prüfe an wen Du Dich bindest, das gilt heute mehr als zuvor (und nicht nur bei der Heirat
)
Ohne Kapital keine Ideenverwirklichung – aus diesem Grund empfinden Gründer den Investoren gegenüber Dankbarkeit. Auf die Idee, dass Investoren KEINE Freunde sind, kommen sie gar nicht. „Die haben doch Vertrauen in meine Idee und riskieren viel Geld für mich!“ – Das ist es, was ein Gründer fühlt. Er denkt vielleicht nicht so, aber die Empfindungen sind so, weil man schließlich als Gründer schon einige Türklinken geputzt hat, um Kapital zu bekommen. Und wenn die Kapitalsuche endlich positiv verläuft, will der Gründer keinen Ärger mit Investoren provozieren und auf keinen Fall den Deal gefährden.
Vielfach ist es ja so, dass der Gründer eigentlich schon sein ganzes Geld bereits in die Idee gesteckt hat. Er MUSS einen Investor finden, um einen entscheidenden Schritt vorwärts zu kommen – manchmal sogar aus existenziellen Gründen. Da haben die Investoren oft leichtes Spiel und können ihre Interessen durchdrücken. Um sich da zu behaupten, bedarf es einer ungeheuren Nervenstärke. Und wer hat die als ambitionierter Gründer schon?
Also es ist falsch Dankbarkeit einem Investor gegenüber zu empfinden, zumindest zu viel davon.
Er investiert nicht in einen Gründer, weil der Gründer so ein cooler Typ ist oder weil er Mitleid hat. Er investiert, weil er Geld verdienen will. Es ist ein Geschäft. Nicht mehr, nicht weniger.
Auch ist es keine Auszeichnung VC zu bekommen, es ist ja eher eine Notwendigkeit.
Wenn der Gründer schon sein ganzes Geld in die Idee gesteckt hat, sollte er sich immer vorher auch einen „Plan B“ überlegen. Warum? Ganz einfach. Erstens macht das slebstbewußter (ich muß dem Investor nicht so weit entgegen kommen, ich kann auch anders z.B. mich anstellen lassen etc.) und zweitens sollte man nie so weit gehen sein Existenz zu gefährden. Ich weiß, manchmal äßt man sich mitreißen, glaubt an die Idee. Aber es sollte auch immer einen Punkt geben, den man vorher festlegt, wo man sagt „bis hierhier hin und nicht weiter“. Wenn es nicht klappt, dann klappt es nicht. Dann heißt es sich aufrappeln, Kräfte sammeln und nochmal versuchen.
Hin zufallen und sich eine blutige Nase zu holen ist nicht schlimm. Nur sollte man nie liegen bleiben.
Du siehst aber in den Kommentaren zu den Startups, die ihre Erfolgsmeldungen bei der Kapitalsuche verkünden, dass es fast als das Nonplusultra gesehen wird, einen Investor zu bekommen. Als wäre das schon das Ziel! Da geht es ja erst richtig los…
Und genau da liegt das Problem. Ich werde mal etwas ausführliches dazu als Artikel schreiben.
Aber wie gesagt VC zu bekommen ist kein Lob, noch ein Qualitätsmerkmal. Überspitzt gesagt heißt es ja nichts anderes, daß ich nicht in der Lage bin ein eigenes Business aufzuziehen, daß sich selbst finanziert. Und jeder mit einer halbwegs gute Idee kann heutzutage Kapital bekommen. Man muß nur dick genug auftragen (und da sind wir wieder beim anderen Dilemma)
Eine sehr schöne Idee, dieser Blog.
Ein wenig Frischluft im Alltagstrott der StartUp-Blogs.
Ich freue mich auf kritische, hinterfragende und von menschlichem Verstand geprägte, ehrliche Beiträge.
Viel Glück und mögen dir die Themen sobald nicht ausgehen